„Soziale Arbeit ist ein Beruf mit Zukunft“

Expertengespräch der Fachoberschule zum Berufsfeld soziale Arbeit

 

FOS Experten Foto 1

 

Hagen – „Am Ende meines Unterrichtes beschweren sie sich nicht, dass er schon zu Ende ist,“ leitete Frau Hagedorn scherzhaft das Ende des diesjährigen Expertengespräches der Fachoberschule ein. Sowohl die Schülerinnen und Schüler im Zuschauerraum, als auch die Experten auf der Bühne zeigten sich sehr zufrieden mit dem intensiven Austausch in der Aula der „Käthe“. Zwei Schulstunden standen Herr Conjaerts (Haus Hohenlimburg), Frau Dahl (Jugendamt der Stadt Hagen), Herr Titze (kommunale Drogenhilfe Hagen), Frau Bostelmann (Jugendmigrationsdienst) und Herr König (Kultopia Hagen) den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort zur beruflichen Realität in der sozialen Arbeit.

Der Schulsozialarbeiterin des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs, Anja König-Goldmann, war es wieder einmal gelungen, durch die Auswahl der Experten ein großes Spektrum der Tätigkeitsfelder im Bereich der Sozialarbeit abzubilden. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Referentinnen und Referenten, überließen es die beiden Moderatorinnen Frau Hagedorn und Frau König-Goldmann den Schülerinnen und Schüler der Oberstufen der Fachoberschule (Schwerpunkt Sozialwesen) und des beruflichen Gymnasiums (DEA) die Expertinnen und Experten zu befragen. Diese nutzten die Gelegenheit einen unmittelbaren Einblick in die Arbeitsbedingungen der sozialen Arbeit im Raum Hagen zu erhalten.

Die Schülerinnen und Schüler thematisierten sowohl die psychische Belastung im Beruf, als auch die Frage, ob die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter ihr Gehalt als gerecht empfänden. „Wir sind Überzeugungstäter. Ich brauche mir keine Gedanken über ein zweites Haus, ein drittes Auto oder ein Boot am Mittelmeer zu machen. Aber ich kann meine Familie mit meiner Arbeit ernähren. Wichtiger ist, dass man zufrieden in seinem Beruf ist. Sonst hält man es darin nicht 40 Jahre aus,“ ordnete Herr König vom Kultopia die Bedeutung der Entlohnung ein.

Alle Expertinnen und Experten betonten, wie vielfältig das Berufsfeld der sozialen Arbeit sei. Da gäbe es vielfältige Entwicklungs- und Veränderungsmöglichkeiten. „So ein Wechsel der Tätigkeit schafft auch immer wieder neue Motivation,“ betonte Herr Titze von der kommunalen Drogenberatung. „Deshalb solltet ihr auch versuchen, in möglichst vielen verschiedenen Einrichtungen und Arbeitsfeldern Praktika und Honorartätigkeiten zu leisten. Nur so könnt ihr das Tätigkeitsfeld finden, das zu euch passt. Denn nicht jeder ist für jeden Job gemacht,“ stimmte Herr König zu.

Frau Bostelmann vom Jugendmigrationsdienst betonte, dass die Motivation von den kleinen Erfolgserlebnissen komme. Die ehemalige Käthe-Schülerin schilderte an einem Fallbeispiel aus ihrer Praxis, dass man durch die intensive Betreuung positive Entwicklungen der Klienten erleben könne.

Immer wieder stellten die Schülerinnen und Schüler auch herausfordernde Fragen. So waren sich alle Experten einig, dass die administrativen Tätigkeiten ständig in Konkurrenz zu der Arbeit mit den Menschen trete und alle wünschten sich mehr Anerkennung von Politik und Gesellschaft. „In Deutschland ist es leichter, den Bau einer Autobahnbrücke für 5 Millionen durchzusetzen, als ein Jugendzentrum für 200.000 Euro. Das ist ein gesellschaftliches Problem,“ beantwortete Herr König die Frage nach Momenten der Frustration.

Frau Dahl betonte aber immer wieder, dass die Arbeit mit Menschen „zutiefst sinnhaft“ sei. Und Herr Conjaerts stellte klar, er würde seinen Beruf immer wieder wählen.

Gegen Ende der Veranstaltung warben Frau Dahl und Herr Titze noch einmal für das Berufsfeld soziale Arbeit: „Wir sind ja auch hier, um für unseren Beruf zu werben. Heute suchen die Arbeitgeber Mitarbeiter und nicht umgekehrt,“ beschrieb Herr Titze den Wandel bei den Arbeitgebern. „Wenn sie jetzt anfangen, werden Sie sich als Absolventen Tätigkeitsfelder aussuchen können,“ ergänzte Frau Dahl.

Da es am Ende des Gespräches noch zahlreiche Fragen aus dem Plenum gab, forderte die Bereichsleiterin der Fachoberschule Frau Raddatz die Schülerinnen und Schüler auf, dieses erste Informationsgespräch zum Anlass zu nehmen, sich weiterhin über die Tätigkeitsfelder der sozialen Arbeit zu informieren.

Sebastian Keil, 22.11.2018